1,5°C: Was Deutschland tun muss

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Diese Kurzanalyse erarbeitet mögliche Pfade, die Deutschland anstreben sollte, um mit den Zielen des Pariser Abkommens kompatibel zu sein, und setzt diese in ein Verhältnis zu den derzeitigen nationalen Minderungszielen.


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Zusammenfassung

Das 2015 verabschiedete Klimaschutzabkommen von Paris hat das Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2°C, wenn möglich auf 1,5°C zu begrenzen und dazu die globalen Treibhausgasemissionen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf netto null zu senken. Diese Formulierung geht weit über die vorherigen internationalen politischen Vereinbarungen hinaus.

Die bisherigen Maßnahmen der Länder reichen jedoch bei weitem nicht aus, um diese globalen Ziele einzuhalten. Alle Länder sind dazu angehalten, ihre selbstgesetzten Ziele zu verstärken. Die deutsche Regierung erarbeitet derzeit ein Klimaschutzgesetz, in dem auch die nationalen Ziele Deutschlands zur Minderung des Treibhausgasausstoßes gesetzlich verankert werden sollen.

Zweck dieser Kurzanalyse ist es, mögliche Pfade zu erarbeiten, die Deutschland anstreben sollte, um mit den Zielen des Pariser Abkommens kompatibel zu sein und diese in ein Verhältnis zu den derzeitigen nationalen Minderungszielen zu setzen.

Die globale Vorgabe von 1,5°C kann auf unterschiedliche Weise auf einzelne Staaten aufgeteilt werden. Im Rahmen dieser Studie wenden wir dazu drei vereinfachte Ansätze an (Abbildung 1):

  • Globaler 1,5°C-Kurs nach IPCC: Deutschland senkt seinen CO2-Ausstoß bis Mitte des Jahrhunderts auf netto null. Es folgt damit dem globalen Kurs des Sonderberichts zu 1,5°C des Weltklimarates (IPCC). Dieser Ansatz hält die 1,5°C-Grenze nur ein, wenn im Laufe des Jahrhunderts CO2 wieder aus der Atmosphäre entfernt wird (negative Emissionen).
  • Abbildung 1. 1,5°C-kompatible Pfade für Deutschland

  • Vermeidung negativer Emissionen: Deutschland senkt seine Emissionen ausreichend schnell auf null, sodass das 1,5°C-Grenze eingehalten werden kann, ohne dass Treibhausgase wieder aus der Atmosphäre entnommen werden müssen.
  • Verteilung nach Gerechtigkeitsprinzipien: Das für 1,5°C verbleibende Treibhausgasbudget wird anhand der Wirtschaftsleistung, der historischen Verantwortung und anderer Kriterien auf die Staaten verteilt. Dieses Szenario berücksichtigt Unterschiede zwischen den Ländern und zielt auf eine möglichst gerechte Verteilung der nötigen Anstrengungen.

Die folgenden Schlussfolgerungen ergeben sich:

  • Die derzeitigen Klimaschutzziele der Bundesregierung sind nicht 1,5°C-kompatibel: Selbst unter unrealistischen Annahmen – wie etwa dem Entfernen größerer Mengen Treibhausgase aus der Atmosphäre – lässt sich die 1,5°-Grenze mit den von der deutschen Regierung angestrebten Klimazielen nicht einhalten. Folgt Deutschland dem jetzigen Zielpfad der Bundesregierung, stoßen wir bis Mitte des Jahrhunderts 20% bis 130% mehr Treibhausgase aus, als für 1,5°C erlaubt. Das Leitbild des Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung, „weitgehende Treibhausgasneutralität bis Mitte des Jahrhunderts“, ist alleine unzureichend, um die 1,5°-Grenze einzuhalten. Entscheidend ist vielmehr, dass die Emissionen zwischen den Jahren 2020 und 2040 schnell genug sinken.
  • Null Emissionen bis 2030 bringt Deutschland zweifelsfrei auf einen 1,5°C-kompatiblen Pfad: Um unbestreitbar mit der 1,5°C-Grenze kompatibel zu sein und seiner globalen Verantwortung gerecht zu werden, muss Deutschland seinen Treibhausgasausstoß bereits bis zum Jahr 2030 auf null reduzieren. Selbst in den nur bedingt 1,5°C-kompatiblen Szenarien müssen die deutschen Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 70% gegenüber 1990, bis 2040 um mindestens 85% gegenüber 1990 sinken. In diesen Szenarien würde Deutschland jedoch nicht schneller als ärmere Länder reduzieren und müsste sich dafür einsetzen, dass Emissionen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden. Berücksichtigt man besonders die historischen Emissionen (und damit die historische Verantwortung) Deutschlands, ist das Treibhausgasbudget, das Deutschland zusteht, bereits jetzt ausgeschöpft.
  • Das Verfehlen des Klimaschutzziels für 2020 gefährdet das Einhalten der 1,5°C-Grenze: Durch das spätere Erreichen des ursprünglich für 2020 geplanten Klimaschutzziels von -40% Emissionen ist Deutschlands Treibhausgasausstoß deutlich höher als ursprünglich geplant. Die zusätzlichen Emissionen machen etwa 10% von Deutschlands 1,5°C-Budget von 2010 bis 2050 aus. Um sein Budget nicht zu überschreiten, muss Deutschland diese zusätzlichen Emissionen zu einem späteren Zeitpunkt durch einen steileren Reduktionspfad wieder einsparen. Das Verfehlen des Ziels in 2020 macht es damit erheblich schwieriger, einen mit der 1,5°C-Grenze kompatiblen Pfad einzuhalten.

Kontakt für weitere Informationen: Niklas Höhne, Hanna Feke